12.2.2009: Muy bien
Februar 13th, 2009Ich habe es ja gewusst: Ich kann in meinem Zimmer schlecht schlafen. Als ich mich ins Bett legte hörte ich zwar das ständige Brummen des Fahrstuhls, was sich so anhört, als würde andauern der Kühlschrank anspringen, damit konnte ich mich noch abfinden. Nerviger wurde es dann schon als draußen dauernd das Licht anging und in mein Fenster strahlte. Ok, auch hier konnte ich den Rollladen schließen. Penetrant wurde es dann heute morgen als das Türgeklappe losging. Das ist wie im Taubenschlag. Wenn die Leute - ins besondere die eine Frau mit ihren Absätze - durch die Etage rennen, ist es, als liefen sie direkt an meinem Bett vorbei. Theoretisch stimmt das ja. Es ist ja nur eine 10 cm dicke Mauern dazwischen. Die Krönung war, als ich dann hörte wie das Toilettenwasser der oberen Etagen durch die Rohre in meiner Wand rauschte. Wie kann man denn so wohnen? Das ist doch die Hölle. An meine Ohrstöpsel haben sich meine Ohren dann mal wieder insoweit angepasst, dass es keinen Unterschied machte, die nun drin zu haben oder nicht. Mal sehen, wie die heutige Nacht wird. Ich bin jedenfalls gerade hundemüde. Das wird aber auch an der Lasagne von eben liegen.
Ana, meine Mitbewohnerin, hat mir ein Tiramisu mitgebracht. Muy bien. Wir aßen dann zusammen in der Küche und versuchten uns so gut wie möglich zu unterhalten. Ich bin sicher, so wenig ich sie verstehe, so wenig versteht sie mich. Aber noch kann sie dabei lachen. Immerhin breche ich mir gewaltig einen ab, etwas mit den paar Wörtern zu sagen, die ich kenne.
So habe ich heute auch wieder Vokabeln bearbeitet. Zwischendurch war ich allerdings mit anderen Erasmusstudentinnen verabredet. Schon komisch, dass ich - egal wo - immer erst Mädels kennen lerne… Erst sollte ich mich mit einer heute treffen, letztlich waren es fünf. Dazu gesellten sich dann aber doch noch zwei meines Geschlechts.
Wie sollte es anders sein, war darunter wieder ein Christian. Und der wohnt sogar im gleichen Viertel wie ich. Der Name muss einen Fluch beherbergen. So trafen wir uns also zu acht im Zentrum von Granada und suchten das nächste Café. Perdone, hier heißt es ja “bar”. Café ist eher unüblich, aber steht hier zur Orientierung auch an den Bars. Es war für mich interessant mal zu sehen, wie acht grundverschiedene Leute miteinandern zurecht kommen, die sich gerade erst begegnet sind. Natürlich haben sich schnell die ersten Sympathien entwickelt, wobei nicht jeder zu jedem den Zugang hat. Ich bin gespannt, wie viele davon sich bei mir wieder melden. Die Kommunikation über das StudiVZ lief ja bisher mit allen gut. Mal sehen. Für Samstag ist jedenfalls mit Martin und Christian eine Bartour angesetzt. In Wien - da kommt Martin her - macht man an jeder Bar halt, an der man vorbeikommt, und trinkt ein Bier. Solange bis man dicht ist. Das hieße für mich, dass ich nach der ersten Bar nicht mehr dabei bin.
Muy bien.
Nach intensivem Lernen der Zeitformen heute, hoffe ich, dass ich die morgen auch noch beherrsche und nicht wieder von vron anfange. Es funktionierte heute gerade so einigermaßen. “Zwei wochen”, meinte Kerstin, und dann habe ich mich an die Sprache gewöhnt. Wird sich zeigen. Morgen früh treffe ich mich mit Malina, um in die Soziologiefakultät zu gehen.
An der Fakultät ging ich heute bereits vorbei. Das hat mir erneut vor Augen geführt - und eindeutiger geht es wirklich nicht - welchen Stellenwert die Soziologie immer noch hat: Ich weiß gar nicht, wie ich die Hässlichkeit des Gebäudes beschreiben soll… Ein grauer Betonkasten mit einem Eingang und Fenster. Auch das Politikgebäude sieht nur minimal besser aus. Ringsumher prankt anadalusischer Baustil.
Buenas noches